//07.2 Einkauf

Der Getränkevertrag,
den niemand liest

Rückvergütungen, Boni, Marketingzuschüsse und Verkaufsförderung. Wie diese Systeme funktionieren und warum die meisten Betriebe Geld liegen lassen.

Lesezeit 7 MinutenEinkaufVerhandlung

Der Getränkevertrag ist das am meisten unterschätzte Dokument in der Gastronomie. Er wird einmal unterschrieben, meist unter Zeitdruck bei einer Eröffnung oder Übernahme, und läuft danach jahrelang weiter. Niemand liest ihn noch einmal, weil er funktioniert: Die Ware kommt, die Rechnung geht raus, der Zapfhahn läuft.

Genau darauf ist er ausgelegt. Lieferanten verdienen nicht an dem Betrieb, der jedes Jahr nachverhandelt, sondern an dem, der es nicht tut.

Die vier Hebel

Wer verhandeln will, muss wissen, woran gedreht werden kann. In den allermeisten Verträgen gibt es vier Stellschrauben, und sie hängen zusammen.

Der Einkaufspreis pro Gebinde, meist gestaffelt nach Abnahmemenge
Die Rückvergütung, ein Prozentsatz auf den Jahresumsatz, oft an Ziele gekoppelt
Marketingzuschüsse für Ausstattung, Gläser, Sonnenschirme, Außenbestuhlung, Veranstaltungen
Konditionen: Lieferrhythmus, Mindestabnahme, Zahlungsziel, Skonto, Laufzeit, Leergutregelung

Der Fehler, den viele machen: Sie verhandeln nur über den ersten Punkt. Der Preis pro Fass ist aber oft der Punkt, an dem der Lieferant am wenigsten nachgibt, weil er intern hart kalkuliert ist. Die Rückvergütung und die Zuschüsse liegen dagegen in einem Budget, das ohnehin für Kundenbindung vorgesehen ist.

Lieferanten verdienen nicht an dem Betrieb, der jedes Jahr nachverhandelt, sondern an dem, der es nicht tut.

Was ein Prozentpunkt bedeutet

Rechnen wir mit einem Haus, das für 180.000 Euro im Jahr Getränke einkauft, was für ein mittleres Hotel mit Restaurant und Bar nicht ungewöhnlich ist.

// rückvergütung
Getränkeeinkauf pro Jahr180.000 €
Rückvergütung bei 3 %5.400 €
Rückvergütung bei 8 %14.400 €
Unterschied pro Jahr9.000 €
Unterschied über 5 Jahre Laufzeit45.000 €

Fünf Prozentpunkte klingen nach wenig. Über eine übliche Vertragslaufzeit sind sie die Sanierung einer Küche. Und sie kosten niemanden etwas außer einem Termin und Vorbereitung.

Was Sie vorbereiten müssen

Ohne Zahlen keine Verhandlung. Wer ohne Vorbereitung in ein Gespräch geht, verhandelt gegen jemanden, der seine Zahlen genau kennt. Diese Unterlagen brauchen Sie.

Den aktuellen Vertrag, vollständig, inklusive aller Anlagen und Nachträge
Die Einkaufsvolumen der letzten drei Jahre, aufgeschlüsselt nach Sortiment
Die tatsächlich erhaltenen Rückvergütungen und Zuschüsse, mit Nachweis
Eine realistische Prognose für die kommenden Jahre
Mindestens ein Vergleichsangebot eines Wettbewerbers

Der letzte Punkt ist der wirksamste. Ein Vergleichsangebot verändert ein Gespräch grundlegend, auch wenn Sie gar nicht wechseln wollen.

Der häufigste Fehler

Er besteht nicht darin, schlecht zu verhandeln. Er besteht darin, ausgehandelte Beträge nie abzurufen. Rückvergütungen werden oft an Bedingungen geknüpft: Mindestmengen, Sortimentstreue, fristgerechte Meldung. Wer nicht meldet, bekommt nicht. Ich habe Betriebe gesehen, die über Jahre Ansprüche hatten und nie eine Gutschrift bekamen, weil niemand den Termin im Kalender hatte.

Deshalb gehört zu jeder Verhandlung ein zweiter Schritt: ein einfacher Kontrollprozess, der prüft, ob das Vereinbarte auch ankommt. Das ist keine Raketenwissenschaft, sondern ein Termin im Jahresverlauf und eine Liste.

Kastriot Tafolli · F&B Manager und Digitalberater · Fragen dazu? Schreiben Sie mir.
// nächster schritt

Was steht in Ihrem Vertrag?

Schicken Sie mir Ihren aktuellen Getränkevertrag, und ich sage Ihnen, wo Spielraum liegt.

Gastronomische Führung, Digitalisierung und KI für Hotellerie und Gastronomie.
TB SOLUTIONS · ONLINE
Seiten
Schwerpunkte
Kontakt
0176 64616146info@tafolli.nettafolli.net
Hauptstraße 1, 18609 Ostseebad Binz
Schluchsee, Hochschwarzwald
© 2026 Kastriot Tafolli · tafolli.net · Ostseebad Rügen / Schluchsee
Impressum Datenschutz $ gastronomie --digital --ki